Märkische Allgemeine Zeitung, 10. Dezember 2007

Oratoriumsaufführung von Singakademie Potsdam und arcanum musicae im Nikolaisaal

von Steffi Pyanoe

Eine monumentale Oratoriumsaufführung beglückte am Samstagabend viele Besucher im vollen Nikolaisaal. Eine ausgelassene, gute Laune war von der Budenmeile des Weihnachtsmarktes in das Konzerthaus geschwappt und erschwerte leider zeitweise das Aufkommen jeglicher Besinnlichkeit, die sich manche Konzertgänger gern gewünscht hätten.

An der gebotenen Qualität kann es nicht gelegen haben, denn die mehr als 100 Akteure der Singakademie Potsdam boten solide Routine, die Chorleiter Edgar Hykel mit so viel Emotionalität zu paaren wusste, dass trotz der Größe des Chores die Feinheiten der feierlichen und zutiefst religiösen Bachschen Weihnachtskantaten I bis III gut herausgearbeitet waren.

Gemeinsam mit den Solisten hätte eine runde Sache daraus werden können. Doch gerade Sopran (Katharine Weber) und Bass (Thomas Wittig), die im ersten und dritten Teil gemeinsam auftreten, schienen nicht so recht zu harmonisieren. Der zarte, zurückgenommene Sopran der Berliner Konzertsängerin musste neben dem leicht gehenden, kräftigen Bass des international erfahrenen Sängers unweigerlich verblassen. Da hätte man sich mehr von Katharine Weber gewünscht. Altistin Undine Dreißig bezauberte mit einer angenehm weichen Stimme; Tenor Albertus Engelbrecht führte sicher durch die Schauplätze der Weihnachtsgeschichte. Unterstützt wurden die Sänger von den Instrumentalisten des Neuen Kammerorchesters Potsdam.

Vor den ersten wuchtigen Paukenschlägen und bekannten Trompetenklängen gab es noch ein besonderes musikalisches Schmankerl: Das Männerchorensemble „arcanum musicae“, bestehend aus ehemaligen Mitgliedern des Dresdner Kreuzchores, bezauberte mit weihnachtlicher A-capella-Musik. Die zwölfköpfige Gruppe unter Leitung von Jens Bauditz sang eine Folge internationaler neuer und alter Lieder, sauber und virtuos, sanft oder wendig, vom flotten Spiritual bis hin zu spanischer Renaissancemusik von Mateo Flechta, dessen „Riu, riu, chiu“ sogar als Zugabe herhalten musste. Selbst die Heiligtümer deutscher Weihnachtsmusik – „Es ist ein Reis entsprungen“ und „Zu Bethlehem geboren“ – behaupteten ihren Platz im Programm; das begeisterte Publikum geizte nach zarten, introvertierten Tönen auch nicht mit gut gemeintem Applaus. Das Fußtrampeln von der Empore mag manchen Konzertbesucher an studentische Hörsaal-Benimmse erinnerte haben, jedoch nicht an ein Adventskonzert. Jüngste Sänger allerdings waren die Mädchen des Spatzenchors, die den großen Chor zu den Chorälen begleiten durften.

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