Reisebericht der Texas-Tournee von "arcanum musicae"

Sightseeing, Fast Food und Standing Ovations

von Jens Bauditz / arcanum musicae

"Sie waren nicht nur fantastische Sänger, wie wir sie noch nie zuvor gehört hatten... und wir sind bekannt für unsere Musik und Kultur, diese Herren stahlen die Herzen und Andacht von über 400 Leuten, die zu ihrem Konzert kamen. [...] Unser Vorschlag ist, dass die deutsche Regierung ein spezielles Gesetz verabschiedet, in dem arcanum musicae als ein wertvoller Schatz des deutschen Volkes anerkannt wird, mit dem Verbot, sich aufzulösen." So schrieb Kenn Knopp, Director der German Heritage Comission und Konzertveranstalter für arcanum musicae in Fredericksburg, per E-Mail an den Deutschen Musikrat.

Zur Beruhigung für das deutsche Volk sei geschrieben: Bereits gegen Ende der Tournee schmiedete arcanum musicae neue Pläne für weitere Konzerte und Projekte in und um Deutschland. Das "Geheimnis der Musik", wie unser Name verpflichtend aussagt, werden wir hoffentlich noch vielen Menschen versuchen dürfen, näher zu bringen.

Die Texas-Reise vom 04.-20. September 2002 war, ohne Frage, der (bisherige) musikalische Höhepunkt des noch jungen Ensembles. Insgesamt über 2000 Besucher lauschten den Männerstimmen, allesamt Ehemalige des Dresdner Kreuzchores, in sieben Konzerten. Diese für alle Seiten erlebnisreiche und unvergessliche Rundfahrt erweckt in der Nachbetrachtung unzählige Erinnerungen, die in solch einem Bericht kaum ausführbar und vermittelbar sind. Nichtsdestotrotz möchte ich den Versuch wagen, anhand der nüchternen Daten und Fakten und der sich darum rankenden Impressionen diese wunderbaren 17 Tage zu reflektieren.

Eigentlich, und damit möchte ich den "Zeitbogen" in aller Kürze um beinahe zwei Jahre zurückspannen, begann alles am 08. November 2000. Arcanum musicae hatte im Sommer seine Deutschlandtournee in der Tradition "kruzianerischer" Abiturjahrgänge unternommen, war in 14 Konzerten im gesamten Bundesgebiet gefeiert worden. Ein Anruf bei Herrn Dr. Seidt, dem Kulturattaché der Deutschen Botschaft in Washington, brachte eine zunächst nur in kühnsten Träumen angedachte Herausforderung ins Spiel: Warum nicht eine USA-Tournee? Herr Dr. Seidt vermittelte die Adresse des Generalkonsulates in Houston, von da erhielt ich eine umfangreiche Adressliste mit potentiellen Konzertveranstaltern. Texas bot das ideale Portal für unsere Reise. Neben den faktischen Ausmaßen des "Lone Star State" - die Fläche ist doppelt so groß wie Deutschland und drei der zehn größten Städte der USA liegen darin - waren es vor allem die deutschen Siedlungsgebiete, die für die Tournee reizvoll schienen.

Die Verbindungsstelle für Internationale Beziehungen des Deutschen Musikrats e.V. förderte arcanum musicae mit einem großzügigen Betrag, in Verbindung mit der Aufgabe zur "Präsentation deutscher Musik und Musikpflege im Ausland". Somit ergab sich für das musikalische Repertoire, neben geistlichen Männerchorwerken aus fünf Jahrhunderten, ein Schwerpunkt auf zeitgenössischen deutschen Kompositionen - u.a. Carl Orff, Harald Genzmer, Heinrich Poos und eine eigens für unser Ensemble geschriebene Vertonung des "Psalm 18" von Kreuzkantor Roderich Kreile.

Im September 2002, nach vielen weiteren Konzerten in Sachsen und ganz Deutschland, wurde ein oft gehoffter, zuvor nur in Ansätzen fassbarer Slogan Realität: Arcanum Goes America!

Am 04. September, um 6.10 Uhr in der Frühe, flogen 14 Mitglieder von arcanum musicae mit reichlich Kleidung und Erwartungen im Gepäck, von Dresden nach Frankfurt/Main. Zur ersten kulinarischen Umstellung auf amerikanische Verhältnisse besuchte zumindest ein Teil des Chores das lokale McDonalds-Restaurant. Kurz vor 10 Uhr startete der Lufthansa-Flieger dann Richtung Dallas/Texas, um unendliche elf Stunden später an besagtem Ort zu landen.

Dort erwartete uns bereits Sam Eatherton, Minister of Music der Zion Lutheran Church and School und Kontaktperson für uns, mit offenen Armen. Nach mehr oder weniger kurzem Stöhnen über die 35°C Lufttemperatur verluden wir unser Gepäck, "stürmten" in den klimatisierten Van und fuhren zur Zion Lutheran Church, unserem späteren Konzertschauplatz. Sam Eatherton zeigte uns die moderne Kirche und den daran gebundenen Komplex von Kindergarten und Grundschule, wenig später wurden wir von den Gastfamilien abgeholt. Schließlich waren alle Sänger sehr froh, endlich ins Bett fallen zu können.

Am folgenden Morgen, nach erstem typisch amerikanischem Frühstück mit Ham&Eggs, wurde arcanum musicae von Trudi, einer Österreicherin in Dallas und Mitglied mehrerer deutsch-amerikanischer Gesellschaften, und Sam Eatherton durch die texanische Metropole geführt. So wurden wir Zuschauer der einmal pro Jahr stattfindenden Stampadee-Parade: Zwei Dutzend Rinder wurden von Cowboys recht unspektakulär durch Dallas-Downtown getrieben.

Neben Thanks-Giving-Church, West End und Reunion Tower besuchten wir den Dealey-Plaza, an dem 1963 Präsident John F. Kennedy erschossen wurde. Der Stadtrundgang endete in der berühmten Meyerson Symphony Hall. Der Abend klang in den Gastfamilien aus - eine gute Gelegenheit, sein Schul-Englisch aufzupolieren.

Am Freitag, den 06. September, stand schließlich das erste Konzert an, nun wurde es ernst! Vormittags erhielten wir eine zweistündige Führung durch die Musikfakultät und über den Campus der Southern Methodist University (SMU), nicht ohne zuvor ein Ständchen vor Frau Dr. Reynolds Kurs gesungen zu haben. Sie ist Musikdozentin an der Universität und zeigte uns anschließend die reichhaltigen Lokalitäten. Mehrere Konzert-, Opern- und Theatersäle, zwei große Orgeln, riesige Bibliotheken und Museen sowie ein beeindruckendes Sportstadion ließen uns erstaunen. Allerdings hat das auch seinen Preis, viele Studenten kommen nur per Stipendium an die Universität.

Nach dem Mittagessen stand eine Probe auf dem Programm, unterbrochen von einem etwa 20minütigen Singen für die jüngeren Schüler der Zion Lutheran School.

Am Abend, um 19 Uhr folgte das Auftaktkonzert unserer Tournee. Über 200 Besucher, "so viele, wie lange nicht mehr", waren gekommen und applaudierten nach jeder Motette. Stücke von Dresdner Komponisten wie Heinrich Schütz, Rudolf Mauersberger, Ernst Julius Otto und Roderich Kreile wurden ergänzt durch weitere deutsche, französische, englische und amerikanische Werke. Ensemblemitglied Marcus Ritschel gab, wie auch bei den weiteren Konzerten, mit seinen Orgelwerken von Johann Sebastian Bach und Dietrich Buxtehude dem Chor Gelegenheit, kurz durchzuatmen. Frank Winkler moderierte unterhaltsam das Programm. Am Ende folgten Standing Ovations.

Ein kurzer Empfang im Anschluss an das Konzert gab arcanum musicae die Möglichkeit, mit den Zuhörern ins Gespräch zu kommen. Viele kamen von deutsch-amerikanischen Klubs, u.a. ein 95jähriger ehemaliger Kreuzschüler. Vor über 40 Jahren war er von Dresden nach Dallas gezogen, sein sympathisch sächsischer Akzent war ihm nicht verloren gegangen. Schließlich endete der Abend in einem mexikanischen Restaurant, feurige Live-Musik und nicht minder scharfe Speisen inklusive.

Nur wenige Stunden des Schlafes später, um 5 Uhr (am Morgen!) war wieder gemeinsames Treffen. Denn eine neunstündige Fahrt in den Süden des Bundesstaates stand uns bevor, Laredo hieß das Ziel. Sam Eatherton und Pastor Robert C. Preece chauffierten uns in einem Van und Kleintransporter durch verregnete Landschaften und Städte. Ein Wetter, das eigentlich untypisch für Texas ist. Aber vor der Küste des Golfs von Mexiko wütete ein Hurrikan, der noch einige Tage für den ein oder anderen kräftigen Schauer sorgen sollte. Etliche Stunden und ein McDonalds-Menü später erreichten wir am Nachmittag Laredo, direkt an der mexikanischen Grenze gelegen.

Unsere Unterkunft war das Evelyn-Motel, eine sehr angenehme Bleibe mit komfortablen, allerdings nicht in allen Facetten hygienischen Zimmern und einem gern genutzten Swimmingpool. Nach der Verabschiedung und herzlichen Danksagungen, auch für die wundervollen Tage in Dallas, an unsere beiden Fahrer war eine Entspannungsphase unumgänglich. Kurz vor 18 Uhr wurde arcanum musicae vom Motel-Shuttle zur etwas außerhalb liegenden Texas A&M International University gefahren. Leider bot das erst vor kurzem eingeweihte Auditorium keine allzu elegante Konzertatmosphäre - die Akustik war ziemlich trocken und die Bühne sehr steril.

Nach kurzer Ansingeprobe und Begrüßung von Ansprechpartner Steve Harmon fand 20 Uhr das Konzert statt. Neben geistlichen Motetten von Thomas Tallis bis Samuel Barber und Duke Ellington boten wir im letzten Teil des Programms weltliche Gesänge, u.a. Comedian Harmonists und Mister Sandman. Nur etwa 50 Besucher waren zu dem recht kurzfristig angesetzten Konzert erschienen, die anschließende Spendensammlung für deutsche Flutopfer des vergangenen Sommers brachte dennoch einen stattlichen Betrag.

Am späteren Abend nutzten wir die örtlichen Fast-Food-Angebote zum leiblichen Wohl, fünf unerschrockene arcanum musicae-Mitglieder fuhren zur 10 Minuten entfernten mexikanischen Grenze. Dort ging es über eine große Brücke in den südlichen Nachbarstaat nach Nuevo Laredo. Im Gegensatz zur amerikanischen Seite gab es eine Vielzahl von Bars und Diskotheken, die reichlich besucht waren. Einige Stunden später lagen dann alle Sänger in ihrem Motel-Bett.

Am folgenden Tag erreichte Bernard Ben Buecker, Honorarkonsul der Deutschen Botschaft und Rechtsanwalt in San Antonio, unser Motel. Er war Organisator der Konzerte in Laredo und San Antonio. Gemeinsam mit ihm begab sich noch einmal das gesamte Ensemble über den Rio Grande nach Mexiko, erste Aktion war der gemeinsame Kauf von sehr preiswerten Cowboyhüten.

Am Nachmittag war dann Aufbruch nach San Antonio, der neuntgrößten Stadt der USA. Gegen 19 Uhr erreichten wir das Haus von Herrn Buecker, während der Nachbar gerade seine Schrotflinte polierte (was garantiert nicht in Verbindung mit unserer Ankunft stand). Kurze Zeit später kamen die Gastfamilien.

Da der Morgen des 09. September wiederum sehr verregnet war, gingen wir zunächst in einer typisch amerikanischen Mall ausgiebig shoppen. Am Nachmittag fuhr uns Ben Buecker in die Downtown, auf eigene Faust erkundeten wir den berühmten Alamo und nutzten die Zeit zum Kartenschreiben im Starbuck´s am Riverwalk. Um 18.45 Uhr war gemeinsamer Treff in der Rechtsanwaltskanzlei von Mr. Buecker im 22. Stockwerk des Tower Life Building. Viele Bilder von Deutschland und im Speziellen von Dresden schmückten die Räume. Auf einer inoffiziellen Terrasse des Wolkenkratzers, aus einem Fenster des Büros herausgestiegen, genossen wir den Ausblick und die gelöste Stimmung.

Eine halbe Stunde später besuchte arcanum musicae den San Antonio Liederkranz, ein Männerchor mit deutschen Wurzeln. Im Jahr 1992 war zum 100jährigen Jubiläum Bundespräsident Richard von Weizsäcker als Gratulant aufgetreten. Nach kurzem Ständchen und der Einladung zu unserem Konzert mussten wir uns schon wieder auf den Weg zur Trinity University begeben. Dort, wo auch am nächsten Tag unser Konzert stattfand, probte gerade der Trinity Choir. Leiter dieses Universitätschores ist Prof. Scott MacPherson, bei dem ich auch übernachtete.

Für die Sänger von arcanum musicae hatte man ein sehr besonderes Ständchen vorbereitet: Rudolf Mauersbergers "Wie liegt die Stadt so wüst" in einer wunderbar gesungenen und emotional sehr tiefgehenden Interpretation. Für uns, die wir im Gedenken an den 13. Februar 1945 diese Motette in jedem Kreuzchorjahr in Dresden aufgeführt haben, war das ein sehr besonderes Erlebnis. Scott MacPherson war mit seinem Chor 2001 auf einer Deutschlandtournee, u.a. mit Konzerten in Berlin, Lübeck und der Dresdner Kreuzkirche, gewesen. In Hamburg hatte er erstmalig dieses eindrückliche Werk gehört, führte es in San Antonio im Gedenken an die Terroranschläge des 11. September 2001 auf.

Nachdem auch wir einige Klangbeispiele zu Gehör gebracht hatte, gab es ein gemeinsames Bier im Restaurant nahe der Universität. Später erwarteten die Quartiereltern ihre Gäste.

Am Dienstag war ein Ausschlafen unumgänglich. Zum Lunch folgten die kurzfristig informierbaren Mitglieder unseres Chores einer spontanen Einladung des Honorarkonsuls a. D. Thomas E. Pawel, ursprünglich aus Leipzig, in den Plaza-Club, ein exklusiver Treffpunkt unter dem Dach des Frost-Bank-Wolkenkratzers.

Am Nachmittag erlaubte Chorleiter Scott MacPherson einen Einblick in seinen riesigen Notenfundus und schenkte arcanum musicae einen großen Stapel mit interessanten amerikanischen Männerchorwerken. Zudem verabredeten wir einen regen Austausch von Kompositionen.

Um 18 Uhr war Probe für unser abendliches Konzert, welches 20 Uhr in der Parker Chapel der Trinity University begann. Es wurde ein fantastischer Auftritt und ein großartiger Erfolg für das Ensemble. 450 Zuschauer, vorwiegend Studenten der Universität, spendeten ausgiebig Beifall und stehende Ovationen. Besonderer Höhepunkt für das Publikum war die Aufführung des "De profundis" von Arvo Pärt für Männerchor und Orgel, neben spannenden deutschen Zeitgenossen ging besonders Bernhard Kleins Evergreen "Der Herr ist mein Hirt" zu Herzen. Die Kollekte wurde, wie auch in Laredo, für deutsche Flutopfer gesammelt.

Auf dem post-konzertanten Empfang, mit einigen heiteren Zugaben unsererseits, ergaben sich erneut interessante Gespräche mit den Hörern. Für die Nacht bestand die gern genutzte Einladung auf eine Studentenparty. Erst zu fortgeschrittener Stunde verteilte uns Mr. Bueckers Praktikant Peter in die Quartiere.

Eine gewisse Verspätung war am nächsten Tag nur allzu verständlich. In den Mittagsstunden starteten wir gen New Braunfels, einem Ort in deutschem Siedlungsgebiet. Dort verabschiedeten wir uns von Ben Buecker, mit dem wir die letzten Tage richtig genossen hatten. Sein spezieller von großer Ironie geprägter Humor und seine Lieblingsphrase "You know what I mean" sorgten für ständige Heiterkeit. Zum Abschluss überreichte er uns eine persönliche Begrüßungsurkunde des Oberbürgermeisters von San Antonio, Edward D. Garza.

An der First United Methodist Church in New Braunfels erwartete uns bereits Helgard Suhr-Hollis, Mitglied der German American Society und Organisatorin unseres nächsten Konzertes. Um 15.15 Uhr war Quartierverteilung. Am Abend traf sich ein Großteil der Sänger am lokalen Kino. "Austin Powers" trainierte zwar unsere Lachmuskeln, bot allerdings keineswegs einen Vorab-Eindruck auf die texanische Hauptstadt.

Der Donnerstag morgen begann mit einem Stadtbummel durch New Braunfels. Der Ort wurde 1845 von deutschen Siedlern gegründet und ist das Pendant zum hessischen Braunfels, etliche deutsche Geschäfte und sogar zweisprachige Straßenschilder konnten wir entdecken. Veranstaltungen wie das jährliche "Wurstfest" sollen heimatliche Stimmungen tradieren.

Große Verwunderung löste bei uns ein kleines Militärmuseum in den Hinterräumen einer evangelischen Kirche aus. Auf einer Dampflokomotive, die uns quer durch einen Park und wieder zurück manövrierte, kam dann doch das Kind in uns durch. Am Nachmittag stand ein ganz besonderes Abenteuer bevor: Schwimmen mit Reifen auf einem Fluss - so die nüchterne Erklärung unseres Vorhabens. Tatsächlich erhielt jeder einen großen Reifen, mit dem er sich zwei Stunden lang durch einen recht beschaulichen Flusslauf treiben ließ. Eine flotte Passage bei einer Pumpanlage sorgte für Action und verlangte mehrfache Wiederholung.

Am Abend stand dann eine Probe und um 19 Uhr das Konzert in der First United Methodist Church an. Wiederum konnte arcanum musicae das Publikum begeistern, etwa 350 Zuhörer waren gekommen und lauschten vor allem den deutschen Motetten. Anschließend besuchten wir mit der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft ein mexikanisches Restaurant in New Braunfels.

Auch am nächsten Tag blieben wir dem deutschen Siedlungsgebiet treu. Nachdem wir uns von Helgard Suhr-Hollis verabschiedet hatten, brachten uns die Quartiereltern nach Fredericksburg, wo wir in die Brewery einkehrten - das dort gebraute Bier rührten wir zwar nicht an, das Mittagessen aber gern. Es empfing uns Kenn Knopp, ein sehr sympathischer Veranstalter und Director der German Heritage Comission, eine Initiative des Oberbürgermeisters der Stadt. Nach individuellem Bummel und kurzer Stellprobe in der Holy Ghost Lutheran Church, wo wir am Sonntag einen Gottesdienst mitgestalteten, fand ein Pot-Luck-Supper mit den Quartiereltern und sechs deutschen Austauschschülern statt.

Am Abend besuchte arcanum musicae ein Football-Game der Fredericksburg High School, in einer Spielpause wurden wir zu unserer Überraschung sogar vom Stadionsprecher begrüßt.

Am Samstag, den 14. September traf sich das Ensemble in den Mittagsstunden zu einer Probe in der katholischen Marienkirche, wo auch am Abend das Konzert stattfand. Danach präsentierten wir einige Gesangskostproben auf einem evangelischen Stadtfest.

Über 400 Fredericksburger erschienen 19 Uhr zu unserem fünften Tourneekonzert. Thematische Schwerpunkte lagen auf Dresdner Kompositionen, internationalen Zeitgenossen und abschließend einigen deutschen Abendliedern. Die dankbare Reaktion des Publikums lässt sich am besten mit den schon eingangs meines Berichts auszugsweise zitierten Zeilen von Kenn Knopp formulieren: "We had no idea the chorale would be as marvelous as it turned out to be."

Der folgende Tag bot erneut Gelegenheit, arcanum musicae zu erleben. Um 10.30 Uhr sangen wir im Gottesdienst der Holy Ghost Lutheran Church, die Pastoren Bobby Vitek und David Priem sowie die riesige Gemeinde spendeten viel Beifall. Dies war auch für uns ein interessantes Erlebnis, sind doch amerikanische Gottesdienste sehr lebendig und von großer Show geprägt. Anschließend verabschiedeten wir uns von Kenn Knopp, dessen herzliche und amüsante Art die Tage in Fredericksburg sehr angenehm gestaltet hatte. "Kommt unbedingt wieder", so seine Worte - "Sehr gern!"

Unser weiterer Weg führte durch das Hill Country nach Austin, der Hauptstadt des Bundesstaates Texas. Etwa 70000 Studenten leben hier, Austin gilt als eine der kulturreichsten Städte der USA mit mehreren Dutzend Veranstaltungen pro Abend. Organisator David Zersen hieß das Ensemble an der Concordia University willkommen. Der ehemalige Präsident der Universität bemüht sich intensiv um einen vielfältigen Kulturaustausch, er übersetzte u.a. Bücher von sorbischen Schriftstellern und dreht Dokumentationsfilme. Die Concordia University wurde von Sorben gegründet, ist damit einzigartig in den USA.

Nach Zwischenlagerung der Koffer brachte er uns zum Capitol - da in Texas alles etwas größer ist, misst die Kuppel zwei Höhenmeter mehr als die des Regierungssitzes in Washington. In der Rotunda des Capitols sangen wir für die Touristen ein Ständchen und machten Werbung für unser kommendes Konzert. Dieser Auftritt musste im Vorhinein angemeldet und von Senator Gonzalo Barrientos bestätigt werden. Nach Besichtigung der Versammlungssäle zeigte uns Mr. Zersen die Sehenswürdigkeiten der Stadt, u.a. die Congress Avenue Bridge und Barton Springs. Am Abend um 18 Uhr erwartete uns der Austin Children´s Choir mit seiner Leiterin Mirna Y. Cabrera zu einer einstündigen Masterclass. In der Schroeder Performance Hall der Concordia University stellten wir unseren Männerchor sowie einige Motetten in Wort und Ton vor, anhand des "Cantate Domino" von Hans Leo Haßler demonstrierten wir unsere akribische Probenarbeit. Später begrüßten die Quartiereltern ihre Gäste.

Ein intensives Einsingen und eine Probe eröffneten den 16. September. Anschließend fuhren wir mit Mr. Zersen zur Station des nationalen Radiosender KUT, wo arcanum musicae von 11-11.30 Uhr einen Live-Auftritt hatte. In der aktuellen Kultursendung "Ecclecticos" brachten wir dem unsichtbaren Publikum insgesamt neun Motetten, u.a. Francis Poulenc, Roderich Kreile und Duke Ellington, zu Gehör, unterbrochen von vielfältigen Fragen des Moderators John Aielli. Wie wir am Abend erfuhren, hatte sich nach der Sendung eine Vielzahl von Hörern mit großem Interesse für unser Konzert gemeldet.

Einem schwer verdaulichen All-You-Can-Eat-Mittagessen bei Golden Corral folgte eine Shopping-Tour durch eine der vielen Malls. Um 19.30 Uhr begann unser Konzert in der Birkman Memorial Chapel auf dem Campus der Concordia University. Schon lange vor unserem Aufzug war die Kirche mit 250 Besuchern übervoll, Stühle mussten zusätzlich aufgestellt werden. Gemeinsam mit dem Austin Children´s Choir sangen wir nach dem zweiten Orgelwerk das "Da pacem domine" von Melchior Franck.

Am nächsten Morgen trafen wir uns an der Universität zur herzlichen Verabschiedung von David Zersen, der uns großartige und abwechslungsreiche Tage in Texas´ Hauptstadt beschert hatte. Er transportierte bereits zu früherer Stunde unser Gepäck nach Houston, den letzten Ort der Tournee. Zwei Stunden später begaben wir uns auf eine dreistündige Autofahrt in die viertgrößte Stadt der Vereinigten Staaten, genauer geschrieben den baumreichen Vorort Kingwood. Christine Heinrich, lokale Organisatorin, begrüßte uns an der Christ The King Church. Neben den besonders heißen Temperaturen verlangte die hohe Luftfeuchtigkeit nahe des Golfs von Mexiko noch einmal eine große Umstellung.

Am Mittwoch, den 18. September stand unser siebtes und letztes Konzert auf dem Programm. Vormittags vergnügten sich die meisten Chormitglieder in einer Mall zum finalen Geldausgeben. Um 18 Uhr probten wir in Kingwoods Christ The King Church. Keine Kirche im europäischen Sinne - ein Flachbau mit vielen Büroräumen und einem großen Kirchsaal.

Um 20 Uhr begann das Abschiedskonzert von arcanum musicae, das Ensemble bot seinen 70 Zuhörern noch einmal einen großartigen Querschnitt durch die Geschichte der Männerchormusik, von Tallis und Byrd über Schubert und Poulenc bis hin zu Harald Genzmer und Heinrich Poos. Schon beim Abzug durften wir die Beglückwünschungen des Publikums entgegennehmen.

Der Abend klang gemeinschaftlich im Haus einer Gastfamilie aus. Zuvor besorgten einige Sänger das Abendessen - da in Kingwood alle Geschäfte, inklusive Restaurants, um 22 Uhr schließen, war dies keine leichte Aufgabe. Kurz vor Ladenschluss erreichten wir Wendy´s, wo gerade die Stühle hochgestellt wurden. Doch nach unserer eindrucksvollen Bestellung zauberte die gesamte Belegschaft und machte der Bezeichnung Fast Food alle Ehre. Im Haus der Gastfamilie erinnerten wir uns an die wunderbaren und vielfältigen Erlebnisse der Texas-Tournee, schmiedeten Pläne für die Zukunft von arcanum musicae.

Good bye, America! Doch bevor der finale Treffpunkt dieser Reise der Flughafen Houston sein sollte, nutzten wir am nächsten Vormittag ein letztes Mal die Möglichkeit zum Austoben im Swimmingpool. Am Flughafen verabschiedeten wir uns herzlich von Frau Heinrich, die sich in den letzten Tagen so liebenswürdig um uns bemüht hatte. Um 16.45 Uhr war offizieller Abflugtermin, doch wegen eines heftigen Gewitters verschob sich der Start um eineinhalb Stunden. Dann setzte der Lufthansa-Flieger an, durch dunkle Wolkenfelder und einige Blitze bahnte er sich den Weg entlang der Ostküste, über den Großen Teich nach Frankfurt. Was auf dem Hinflug noch an Erwartungen im Gepäck war, hatte sich einerseits in Souvenirs und preiswerte Kleidung gewandelt, entscheidend aber in Impressionen, Erfahrungen und Begegnungen, die uns noch sehr lange begleiten werden. Riesige Begeisterung, Standing Ovations und herzliche Danksagungen ernteten wir in allen Konzerten, konnten uns allerorts richtig wohl fühlen. Erstmals war es uns möglich, unsere Musik auch außerhalb der deutschen Grenzen zu präsentieren - wir haben es genossen! Den erneuten Einladungen aus allen Konzertorten zu Folge, können wir uns hoffentlich bald wieder gen Westen begeben.

Schließlich um 13.30 Uhr waren wir wieder am Ausgangspunkt der Texas-Tournee - Dresden. Good Bye, America! Hallo Deutschland!

Abschließend möchten wir uns bei all den Freunden und Förderern von arcanum musicae bedanken, die uns im Vorfeld und auf unserer Texas-Tournee unterstützt haben. In der Hoffnung, keinen Namen zu vergessen, gilt ein herzliches Dankeschön Herrn Kreuzkantor Roderich Kreile, der Vorsitzenden der "camerata vocale günzburg" Frau Elisabeth Lutz, dem Kantor an der Christuskirche in München Herrn Roman Emilius und dem Vorsitzenden des Kulturkreises Malente Herrn Egon Güntzel. Desweiteren besonderen Dank an unsere amerikanischen Organisatoren Mr. Sam Eatherton, Mr. Bernard Ben Buecker, Mrs. Helgard Suhr-Hollis, Mr. Kenn Knopp, Mr. David Zersen und Mrs. Christine Heinrich, zudem an die Kirchgemeinden und Universitäten, die uns aufgenommen haben. Ebenso vielen Dank an unsere Gastfamilien und alle Fahrer, die uns in den nächsten Konzertort transportierten. In den 17 Tagen begegneten uns viele Menschen, deren Kontakt wir nicht mehr missen möchten, u.a. Mr. Robert C. Preece, Pastor aus Dallas, und der Leiter des Trinity Choir San Antonio Mr. Scott MacPherson. Der Deutschen Botschaft in Washington mit Kulturattaché Herrn Dr. Seidt sowie dem Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Houston mit Herrn Mangartz ebenso aufrichtigen Dank. Und last but not least unser besonders herzlicher Dank an den Deutschen Musikrat e.V., an den Geschäftsführer Herrn Dr. Mettig und unsere Projektleiterin Frau Siemers.

Nachtrag:
Reichlich zwei Wochen nach unserer Rückkehr aus den Vereinigten Staaten von Amerika hatte Kenn Knopp aus Fredericksburg eine besondere Nachricht für das Ensemble: Oberbürgermeister Hon. Tim Crenwelge ernennt die Mitglieder von arcanum musicae offiziell zu Ehrenbürgern von Fredericksburg, Texas. Herzlichen Dank für diese große und wunderbare Auszeichnung!

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