Sächsische Zeitung, 27. April 2004

Feinsinning und anspruchsvoll

Ex-Kruzianer begeistern am Sonntagnachmittag ihr Publikum in Sohland

von Christa Vogel

Bereits zum zweiten Mal kamen sie am Sonntagnachmittag in die Evangelisch-Lutherische Kirche in Sohland/Spree - die ehemaligen Kruzianer der Abiturstufe 2000. Sie nennen sich übrigens "arcanum musicae", zu Deutsch "Das Geheimnis der Musik". Ein anspruchsvoller Name der insgesamt fünfzehn ehemaligen Mitglieder des Dresdner Kreuzchores, die sich bereits im Juli 1999 - ein Jahr vor ihrem Schulabschluss - zum ersten Konzert zusammenfanden. Mittlerweile gehen sie ihren Aufgaben in Ausbildung und Beruf nach.

Nur wenige widmen sich beruflich der Gesangskunst. Aber regelmäßig treffen sie sich zu Proben und Konzerten und waren 2002 auf erfolgreicher USA-Tournee in Texas. Stolz sind sie auch darauf, dass sie erst letzte Woche musikalische Gäste des Bundespräsidenten in Berlin waren. Vor allem Motetten internationaler Musikgeschichte erklangen, chorische Gesangsstücke, deren Stimmen gleichberechtigt wirken und zu anspruchsreichen Klangbildern verschmelzen. Mit ihnen kam Kantor i.R. Eberhard Seidel aus Cunewalde, der mit Orgelchorälen von J.S. Bach und einer A-Dur-Toccata der Königin der Instrumente Klangfülle und filigranstes Melos entlockte.

Unter Leitung von Jens Bauditz aus Berlin erklangen zunächst Motetten aus Deutschland, Frankreich und England, die von der großen Bandbreite und Wandlungsfähigkeit dieses Kammerensembles zeugten. Sphärisch schön und freudig bewegt gefiel ein englische Beitrag von Henry Purcell, nahegehend gelang das Gebet von Bedrich Smetana mit dem fantastisch hingehauchten Pianofinale. "Mitbringsel"-Stücke aus den USA überzeugten, waren besondere Kostbarkeiten an Stilistik und Ausdrucksvielfalt. Ein berührender Beitrag, in Köln in den Kriegswirren bei einem Flüchtenden gefunden, sang vom starken Glauben an Sonne, Liebe und Gott. Blumenreiche spanische Sprache und Kastagnettenklang bereicherten mit Heiterkeit und hohem stimmlichen Anspruch. Feinsinnige Getragenheit und makellose Homogenität zeichneten die Stimmkultur der Sänger aus, die auch in den Beiträgen von Edvard Grieg und Zoltan Kodalys Abendlied exzellent zum Tragen kam.

Das überaus zahlreiche Publikum sparte nicht mit Sympathie und herzlichem Beifall und wurde mit gar erhabenen und hymnischen Zugaben belohnt.

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