Dresdner Neueste Nachrichten, 12. Juli 2004

Fünf Jahre arcanum musicae

von Gerhard Böhm

Es gehört zum guten Brauch der Kruzianer, sich nach dem Abitur musikalisch zu verabschieden, eventuell auch noch eine kleine Konzertreise anzuschließen, um die jahrelang geübte und gepflegte Gemeinschaft ein letztes Mal genießen und ausklingen zu lassen. Anno 2000 entschied die Abiturientengruppe, sich regelmäßig immer wieder zu treffen und dabei dem Chorgesang in vertrauter Runde auch weiterhin zu frönen.

Unter dem Namen arcanum musicae (Das Geheimnis der Musik) stellte sie sich hoffnungsvoll an gleicher Stelle wie heute vor, probte nun, trotz auseinanderstrebender beruflicher Interessen und über ganz Deutschland verstreuter Wohnorte, mit schöner Regelmäßigkeit. Freiburg, Mainz, Bayreuth, Berlin, Falkensee usw. waren dabei keine Hinderungsgründe. Sicher spielte die ebenso kundige wie engagierte Leitung durch den hochveranlagten Jens Bauditz eine wesentliche Rolle, dass der Chor zusammenhielt und weiter vorankam. Einer der Höhepunkte seines künstlerischen Wirkens war die Amerika-Tournee vor zwei Jahren.

Das ausgesprochen gut besuchte Benefiz-Konzert am Wochenende in der Dreikönigskirche bestätigte den inzwischen ausgezeichneten Ruf dieser ganz eigenen Singgemeinschaft von (diesmal) 13 Sängern plus Dirigent. Mit einem abwechslungsreichen, die Jahrhunderte umspannenden, vorwiegend geistlichen Programm begeisterten die jungen Männer ihr Publikum. Sie haben die vorbildlichen Tugenden ihrer langjährigen Kreuzchorausbildung bewahrt, weiterentwickelt und abgerundet, dabei ausdrucksmäßig differenziert und vertieft. Idealer Ausgangspunkt blieb nach wie vor der reine, saubere Chorklang von Wohllaut und biegsamer, textgerechter Dynamik im mustergültigen, tragfähigen Piano, wie er wohl am schönsten und innigsten in der letzten Zugabe des Abends zu erleben war, in Brahms' "In stiller Nacht" - schlank, flexibel, transparent, wie es einem solchen jungen Kammerchor wohl ansteht.

Breit war die Palette der gebotenen Stile, der unterschiedlichen Ausdrucksbereiche, der verschiedenen nationalen Einfärbungen, angefangen mit Hasslers jubilierender Motette "Laetentur coeli", über Lechner, Purcell, A.Krieger, zu den "Neueren" wie Smetana, Grieg bis zu den "Neuen" wie Milhaud, Lauridsen, Poos u.a. von gemäßigter Moderne.

Erfreuliche Frische brachte der lebendige Rundgesang eines spanischen Anonymus aus dem 15. Jahrhundert mit perfekten Kastagnetteneinwürfen, auch mehrere "Souvenirs" der Amerika-Reise, darunter ein ganz kammermusikalisch dargebotenes Spiritual.

Marcus Ritschel an der großen Orgel der Dreikönigskirche verhalf mit Beiträgen von Buxtehude und Mendelssohn-Bartholdy seinen Mitsängern zu willkommenen Ruhepausen, ebenso Frank Winkler, der das Konzert auf gewinnende Weise moderierte.

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